GEGENARGUMENTE

 

Worin der Kapitalismus tatsächlich unschlagbar ist …

 

Eines scheint am Kapitalismus tatsächlich unschlagbar zu sein, die Beständigkeit und Hartnäckigkeit des guten Urteils über ihn. Da wird Millionen Menschen ihr Auskommen durch Arbeitslosigkeit, gigantische Lohn- und Pensionskürzungen, Zwangsräumungen ihrer Wohnungen, Verteuerung bis Streichung von Gesundheitsleistungen und dergleichen Härten mehr drastisch erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht, und was kommt dann als Kritik?

 

Ganz anders als bei der Beurteilung des seinerzeitigen Ökonomie realen Sozialismus, für die jeder Versorgungsmangel immer nur eines bewiesen hat, diese Art des Produzierens, dieses System, ist untauglich für die Menschen, sind sich in der kritischen Beurteilung des Kapitalismus im Unterschied dazu alle, wirklich alle darin einig: jeder beobachtete Schaden für die Menschen kann unmöglich in dieser hier und heute herrschenden Wirtschaftsweise, in diesem System - im Kapitalismus -, begründet sein. Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, dann kann der Grund davon unmöglich im System selbst, sondern nur in der Übertreibung und Perversion dieses an sich guten und vernünftigen Systems zu finden sein. Grund heißt es, sei der Turbo-, der Casino-, der Karawanenkapitalismus oder, vor allem seit der Finanzkrise, der Finanzkapitalismus.

 

Dem Erfindungsreichtum hinsichtlich der Zusätze zum Kapitalismus - Turbo, Casino, Karawanen, Finanz - sind schier keine Grenze gesetzt und zeugen immer nur von einem, der trostlosen Absicht, dem unbedingten Willen Armut der großen Masse der Bevölkerung auf gar keinen Fall als notwendiges Resultat des ganz normalen Kapitalismus begreifen zu wollen. Nie ist es der Kapitalismus, der seine hässliche Fratze zeigt, sondern sein Entartung. Es liegt nicht am Kapitalismus, sondern am Turbo- Kapitalismus, am Casino-Kapitalismus, am Finanz-Kapitalismus. Nie sollen einfach der Kapitalismus und seine Zwecke Grund der beklagten Schädigungen sein, sondern seine Übertreibung.

 

Wie kann man aber eine an sich gute Sache übertreiben? Turbo: Was soll daran schlecht sein, wenn eine gute Sache besonders schnell und intensiv – turbomäßig eben - zu Werke geht? Casino: Soll man wirklich glauben, Spekulation wäre dem Kapitalismus wesensfremd? Karawanen: Soll man sich die Beweglichkeit und Flexibilität des Kapitalismus nicht ansonsten immer als einen seiner großen Vorzüge denken? Finanz: Inwiefern sollen finanzkapitalistische Geschäfte eine Entartung des Kapitalismus darstellen? Seit wann verfolgen denn Beide, Finanzkapitalisten und Vertreter des hochgeschätzten Realkapitals, ein anderes Interesse, als das, ihren investierten Reichtum zu vergrößern? Was diesen Zweck betrifft, passt kein Blatt zwischen Beide. Die einen handeln mit Rechtsansprüchen auf Geldvermehrung, die anderen verfolgen denselben Zweck der Geldvermehrung mit Produktion von und Handel mit Gebrauchsgütern. Der Blick auf all die schönen Gebrauchswerte – auf Autos, Schuhe und Hosen, auf Handys und Computer, nicht zu vergessen Fernseher - vernebelt diesen heimlichen Fans des Kapitalismus offenbar jede Sicht darauf, dass kein einziges dieser schönen Dinge ohne die Aussicht auf Vermehrung des in seine Produktion gesteckten Geldvorschusses in die Welt kommt. Beweisen denn Überproduktionskrisen nicht schlagend, dass es im Kapitalismus nicht um die Herstellung nützlicher Güter, sondern um die Vermehrung von Geldreichtum geht? Sollen die Verhungernden und unbehandelten Kranken dieser Welt die Realkapitalisten wirklich dafür schätzen, dass die ihr Geschäft nicht mit Geld und Kredit sondern mit Nahrungsmitteln, Medikamente und degleichen mehr machen, auch wenn sie selbst mangels Zahlungsfähigkeit gerade nicht an diese schönen und lebenswichtigen Güter kommen?

 

All das könnte man lernen, so man nur wollte…. Nur von Turbo-, Casino-, Karawanen- und Finanzkapitalismus zu reden, muss man dann aber schon aufgeben!